LIFESTYLE

Von Heimat, Heimweh und Fernweh

Heimat Hamburg

Kennt ihr das eigentlich auch? Heimweh und/oder Fernweh? Je nach Lebensphase und aktuellem Beziehungsstatus kann die Heimat sich ändern, wandern – und das dazugehörige „Weh“ stärker oder weniger ausgeprägt sein.

Ich habe mir immer wieder Gedanken gemacht, wie sich Heimat für mich definiert und was ich als MEINE Heimat anerkenne. Als ich nach dem Abi von Minden nach Hamburg gezogen bin, war Minden ganz klar meine Heimat. Dort bin ich aufgewachsen, zur Schule gegangen, habe einen festen Freundeskreis gehabt und meine Eltern haben dort ein eigenes Haus. Für mich war das Heimatgefühl während des Studiums klar definiert und lange dachte ich, dass sich diese Verhältnisse nie ändern würden. Hamburg ist Abenteuer, Großstadt, perfekt für ein Leben in den 20igern. Minden ist der Rückzugsort, wo ich mich geborgen fühle, jede Ecke kenne und sofort Hilfe bekomme, wenn ich sie mal bräuchte.

Heimat ist dort, wo du zurückkehren möchtest

Es muss nach etwa 7 Jahren eingetreten sein: Ein Stück des Mindener Heimatgefühls ist nach Hamburg gewandert! Natürlich habe ich das nicht sofort erkannt. Erst im Nachhinein wird einem allmählich bewusst, wie wohl man sich fühlen kann, wenn Stadt, Leute, Wohnung zusammen passen. Das hat natürlich mehrere Gründe, warum ich Hamburg heute neben Minden auch meine Heimat ansehe. Man kennt viele Stadtteile und wohnt endlich in der für sich passenden Ecke, hat ein gutes soziales Umfeld, Freunde und Arbeitskollegen, die man liebgewonnen hat. Und auf der anderen Seite ändert sich in der alten Heimat Minden doch so vieles: Freunde ziehen weg oder Freundschaften verblassen,  Läden verschwinden, neue Gebäude entstehen.

Land, Landesteil oder Ort, in dem man [geboren und] aufgewachsen ist oder sich durch ständigen Aufenthalt zu Hause fühlt (oft als gefühlsbetonter Ausdruck enger Verbundenheit gegenüber einer bestimmten Gegend) – Duden

Ich kann nicht behaupten, dass ich jemals über längere Zeit Heimweh hatte. Es waren vielleicht mal einzelne Momente, an denen man sich an den Ort zurücksehnte, der so viele schöne Erinnerungen birgt. Ich war auch nie länger als 2 Monate am Stück von Deutschland entfernt. Denn nicht nur Minden oder Hamburg ist meine Heimat, sondern auch Deutschland. Und global gesehen fühle ich mich auch in Europa zuhause.

Am Ende ist Heimweh etwas, das man ab und zu in Kauf nehmen muss, um das Fernweh zu stillen.

Obwohl ich mich in Hamburg sehr wohlfühle, hat es mich nach über 10 Jahren dennoch gepackt, eine neue Stadt und ein neues Land kennenzulernen. Ich war oder ich BIN im Fernweh-Fieber! Seine Heimat kann man ja auch erst richtig schätzen, wenn man sie verlässt, richtig? Ob Brüssel jemals eine weitere Heimat für mich wird? Schwer zu sagen. Das wird von so vielen Faktoren abhängen: Wie gut werde ich französisch sprechen? Werde ich gute Freunde finden? Wohne ich in dem richtigen Stadtteil? Und im Gegensatz zu Hamburg werde ich in Brüssel erstmal nur 2 statt 10 Jahre verbringen. Aber mit 2 Heimatorten bin ich momentan auch gut bedient. Sie regelmäßig aufzusuchen ist schon anstrengend genug. 🙂

Die Süddeutsche Zeitung hat übrigens vor einigen Wochen einen interessanten Artikel über „Heimat“ geschrieben.

 

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